Verpackungen und Versand verursachen einen Großteil der Umweltbelastung im Onlinehandel. In Deutschland fielen 2023 rund 17,92 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an, während die Recyclingquote auf 69,4 Prozent stieg. Für Unternehmen im Versandhandel stellt sich damit die Frage, welche Verpackungen sie einsetzen und wie sie ihre Artikel mit möglichst geringem CO2-Ausstoß versenden. Zwei neue Regelwerke verändern die Antworten darauf im Jahr 2026 grundlegend.
Verpackungsmüll und Emissionen: die Ausgangslage
Der Verpackungsverbrauch in Deutschland ist zuletzt gesunken. Nach Zahlen des Umweltbundesamtes lagen die Abfallmengen 2023 bei 17,92 Millionen Tonnen, das sind 13,3 Kilogramm weniger pro Kopf als im Vorjahr. Ein Großteil dieser Menge entfällt auf Papier, Karton und Kunststoff.
Der Transport der Sendungen verursacht zusätzlich CO2-Emissionen. Jede Lieferung legt einen Weg vom Lager bis zur Haustür zurück, und der Verkehr trägt in Deutschland spürbar zum Ausstoß von Klimagasen bei. Zu diesen Klimagasen zählt vor allem Kohlendioxid, das beim Verbrennen von Diesel und Kerosin in die Atmosphäre gelangt.
Das Wachstum des Onlinehandels hat den Paketversand über Jahre ansteigen lassen, und jede Bestellung erzeugt Verpackungsmüll. Die Auswirkung auf die Umwelt zeigt sich in zwei Formen: als Müll aus gebrauchten Verpackungen und als Emissionen aus dem Transport. Umweltschutz im Versand setzt deshalb an beiden Punkten an. Kunststoff, der nicht im Recycling landet, trägt zusätzlich zur Umweltverschmutzung bei.
Definition: nachhaltige Verpackung Eine nachhaltige Verpackung schützt den Inhalt mit möglichst wenig Material, besteht aus recycelten oder erneuerbaren Ressourcen und lässt sich nach der Verwendung sortenrein recyceln. Der Begriff bezieht sich auf den gesamten Weg von der Herstellung über den Versand bis zur Entsorgung. |
Was nachhaltige Verpackungen ausmacht
Jede Verpackung erfüllt mehrere Funktionen: Sie schützt das Produkt, trägt Informationen zum Inhalt und ermöglicht den Transport. Nachhaltigkeit kommt als weitere Anforderung hinzu, ohne dass der Schutz des Produkts darunter leiden darf. Die Notwendigkeit einer stabilen Verpackung bleibt bestehen, denn ein beschädigter Artikel verursacht eine zweite Lieferung und damit doppelte Emissionen.
Nachhaltigkeit beginnt bei der Menge des eingesetzten Materials. Eine Verpackung, die den Artikel eng umschließt, spart Rohstoffe und Ressourcen, senkt das Volumen im Fahrzeug und verursacht dadurch weniger CO2 im Transport. Der zweite Punkt betrifft die Materialien selbst.
Materialien im Vergleich
Papier und Karton lassen sich in Deutschland gut recyceln und stammen häufig bereits aus Altpapier. Kunststoff bietet Vorteile beim Gewicht, doch Kunststoffverpackungen erreichen im Recycling deutlich geringere Quoten. Für viele Artikel ist ein Karton die praktikable Alternative zur Kunststofffolie.
Verpackungsmaterial | Bewertung für nachhaltige Verpackungen |
Karton aus Wellpappe | hoher Altpapieranteil, etablierte Kreislaufwirtschaft |
Papierpolster und Papierfüllmaterial | sortenrein mit dem Karton entsorgbar |
Kunststofffolie | geringes Gewicht, niedrige Recyclingquote |
Mehrweg-Versandtaschen | mehrfach nutzbar, sinnvoll bei hohen Retourenquoten |
Klebeband aus Papier | vermeidet Mischmaterial im Altpapier |
Alternative Verpackungsformen
Neben klassischen Versandkartons stehen weitere Verpackungsformen zur Wahl. Papierpolstertaschen sind eine Alternative für flache Produkte, Wickelverpackungen aus Wellpappe passen sich der Höhe des Produkts an, und Mehrwegtaschen bilden eine Alternative für Sortimente mit hoher Retourenquote. In vielen Fällen entscheidet die Menge über die Wirtschaftlichkeit, denn die Produktion individueller Verpackungsformen lohnt sich erst ab einer bestimmten Stückzahl. Bei der Herstellung von Wellpappe wird zudem weniger Energie benötigt als bei vielen Alternativen aus Kunststoff.
Größe, Leerraum und Füllmaterial
Eine zu große Verpackung erzeugt Leerraum, der mit Füllmaterial ausgeglichen wird. Beide Faktoren erhöhen Gewicht, Volumen und Kosten. Wer sein Sortiment an Kartons auf die tatsächlichen Maße der Artikel abstimmt, reduziert Verpackungsmüll und Emissionen im Versand zugleich. Passende Formate wie Maxibriefkartons für flache Artikel oder zweiwellige Kartons für schwere Ware sind dafür die Grundlage.
Neue Vorgaben: die EU-Verpackungsverordnung seit dem 12. August 2026
Die europäische Verpackungsverordnung PPWR gilt seit dem 12. August 2026 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Sie ersetzt schrittweise Teile der bisherigen nationalen Regeln und stellt neue Anforderungen an Verpackungen aller Art. Diese Pflichten gelten seit dem Stichtag:
1. Gewicht und Volumen einer Verpackung sind auf das funktional Notwendige zu begrenzen.
2. Für Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertiges Chrom gilt ein Grenzwert von 100 Milligramm je Kilogramm.
3. Für jede Verpackungsart sind eine EU-Konformitätserklärung und eine technische Dokumentation zu führen.
Weitere Stufen folgen: Ab dem 1. Januar 2030 darf der Leerraum in Transport- und Versandverpackungen höchstens 50 Prozent betragen, wobei Füllmaterial als Leervolumen zählt. Ab demselben Zeitpunkt müssen Verpackungen eine definierte Recyclingfähigkeit nachweisen. Für den Versandhandel bedeutet das vor allem eines: Der Karton in der passenden Größe steht vor der Wahl des Füllmaterials.
Klimaneutraler Versand: vom Ausgleich zur echten Reduktion
Der Versand ist ein eigenes Handlungsfeld der Nachhaltigkeit, das sich nicht allein über die Verpackung eines Produkts steuern lässt. Entscheidend sind die eingesetzten Fahrzeuge, die Auslastung der Touren und die gewählte Versandart. Ein Päckchen mit geringem Volumen belastet eine Tour weniger als ein großes Paket mit viel Luft.
Der Begriff klimaneutraler Versand beruhte bisher meist auf Kompensation. Unternehmen berechneten die Emissionen einer Sendung und kauften Zertifikate aus Klimaschutzprojekten, etwa aus Aufforstung oder erneuerbarer Energie. Dieses Modell endet 2026.
DHL ersetzt GoGreen durch GoGreen Plus
DHL beendet sein kompensationsbasiertes Angebot zum 31. August 2026. Ab dem 1. September 2026 gilt das neue Modell als Standard im Versand. Statt Zertifikaten außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette investiert das Unternehmen in Reduktionen im eigenen Netz, was als Insetting bezeichnet wird. Über ein zertifiziertes Book-and-Claim-Verfahren werden diese Reduktionen einzelnen Sendungen zugeordnet.
Konkret setzt DHL rund 38.500 Elektrofahrzeuge auf der letzten Meile ein, dazu 570 Bio-CNG-Lkw, 39 Elektro-Lkw und acht eigene Güterzüge pro Tag. Rund 95 Prozent des Stroms stammen aus erneuerbaren Quellen, und die jährlichen Investitionen liegen bei etwa einer Milliarde Euro. Für Privatkunden ist GoGreen Plus in nationalen und internationalen Paketen für die deutschen Transportabschnitte automatisch enthalten, was über 110 Millionen Sendungen im Jahr betrifft.
Werbung mit Klimaneutralität wird unzulässig
Hintergrund der Umstellung ist die EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825. Die deutsche Umsetzung wurde am 19. Februar 2026 verkündet und gilt ab dem 27. September 2026. Ab diesem Termin sind produktbezogene Aussagen wie klimaneutral, CO2-neutral oder klimapositiv unzulässig, sofern sie auf dem Ausgleich von Emissionen außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette beruhen. Aufbrauchfristen für vorhandenes Werbematerial gibt es nicht.
Für den Onlinehandel folgt daraus eine klare Aufgabe: Wer heute mit klimaneutralem Versand wirbt, prüft seine Formulierungen und ersetzt sie durch überprüfbare Angaben zu tatsächlichen Reduktionen. Parallel dazu verteuert der nationale Emissionshandel fossile Kraftstoffe: Für 2026 liegt der CO2-Preis in Deutschland in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Der europäische Emissionshandel für Verkehr und Gebäude soll nach dem Beschluss des Rates 2028 folgen.
Nachhaltiger verpacken und versenden: praktische Möglichkeiten
Nachhaltiger Versand ist im Onlinehandel längst ein Thema in der Kommunikation mit Kunden. Wer das Ziel einer besseren CO2-Bilanz verfolgt, benötigt zunächst Informationen über den eigenen Verbrauch: Welches Verpackungsmaterial wird in welcher Menge eingesetzt, und wie viele Pakete verlassen das Lager? Aus diesen Zahlen lässt sich ein realistisches Ziel ableiten, etwa eine bestimmte Reduktion des CO2-Ausstoßes je Sendung.
Viele Möglichkeiten zur Senkung der CO2-Emissionen liegen im eigenen Lager. Diese Ideen lassen sich ohne große Investitionen umsetzen:
· Kartongrößen reduzieren: Ein Sortiment aus wenigen passenden Formaten deckt einen Großteil aller Bestellungen ab.
· Füllmaterial umstellen: Papierfüllmaterial ersetzt Luftpolsterfolie und wandert mit dem Karton in dieselbe Tonne.
· Monomaterial verwenden: Papierklebeband und Papieretiketten halten die Verpackung sortenrein.
· Pakete bündeln: Mehrere Artikel einer Bestellung in einem Paket senken den Aufwand je Lieferung.
· Mehrweg prüfen: Bei häufigen Retouren rechnet sich eine wiederverwendbare Verpackung.
· Grüne Versandart wählen: Der klimafreundlichere Service der Paketdienste kostet pro Paket meist wenige Cent.
Diese Möglichkeiten wirken einzeln klein, in der Summe leisten sie einen messbaren Beitrag. Ein Unternehmen, das sein Sortiment an Kartons um zwei Formate ergänzt und dadurch alle Produkte passgenau verpacken kann, senkt den CO2-Ausstoß im Versand ohne zusätzliche Kosten. Wer darüber hinaus einen Beitrag zum Klima leisten will, wählt eine Versandart mit nachgewiesener Reduktion.
Verbraucher achten beim Kauf zunehmend auf diese Punkte. Eine sortenrein recycelbare Verpackung ist deshalb auch ein Argument gegenüber Kunden, das sich am Paket unmittelbar zeigt. Wer transparente Informationen zu Material und Entsorgung ergänzt, übernimmt sichtbar Verantwortung. Weitere Infos zu den rechtlichen Pflichten stehen auf der Seite zur Verpackungsverordnung.
Nachhaltige Verpackungen und emissionsarmer Versand im Zusammenspiel
Verpackung und Versand hängen unmittelbar zusammen. Jede eingesparte Verpackungsgröße senkt das transportierte Volumen, und jedes vermiedene Päckchen entlastet die Tour. Der Zweck einer Verpackung bleibt dabei der Schutz des Inhalts, und dieser Zweck erfüllt sich nur mit ausreichend stabilem Material.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe. Sie passen ihre Verpackungen an die neuen Vorgaben der Kreislaufwirtschaft an, und sie stellen ihre Kommunikation von Kompensation auf nachweisbare Reduktion um. Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit widersprechen sich dabei selten, weil weniger Material auch weniger Kosten verursacht.
Für Kunden bleibt die Verpackung der sichtbare Teil dieser Arbeit. Wer nachhaltig verpacken und emissionsarm versenden will, sollte das mit konkreten Angaben belegen: eingesetztes Verpackungsmaterial je Produkt, Recyclingfähigkeit und die Maßnahmen des Dienstleisters im Versand. Nachhaltigkeit wird damit vom Werbeversprechen zu einer Angabe, die Verbraucher prüfen können. Beides zahlt auf denselben Zweck ein: weniger Material, weniger CO2 und ein Versand, der die Umwelt nachweislich weniger belastet.