Sobald Waren die Grenze der EU überschreiten, wird aus einem gewöhnlichen Versand ein Zollverfahren. Die DHL Zollabwicklung: Infos und Tipps in diesem Artikel setzen dort an. DHL übernimmt die Anmeldung der Waren bei den Zollbehörden, verlangt vom Absender aber vollständige Sendungsdaten. Der Beitrag zeigt, welche Dokumente eine Sendung braucht, wie HS-Code und EORI-Nummer zusammenspielen und welche Zollgebühren bei DHL anfallen.
Wann eine Zollabfertigung nötig wird
Innerhalb der EU entfällt die Verzollung vollständig. Waren zwischen EU-Ländern bewegen sich im Binnenmarkt, eine Zollanmeldung ist nicht vorgesehen. Sobald Waren in ein Land außerhalb der EU gehen oder von dort kommen, greifen die Vorschriften und Regeln für Einfuhr und Export.
Für Waren im Versand in Länder außerhalb der EU bedeutet das drei Schritte: Der Absender deklariert die Waren, DHL meldet die Waren beim Zollamt an, und der Empfänger zahlt im Zielland die Einfuhrabgaben. Fehlen Angaben, stoppt der Prozess, und die Sendung mit den Waren bleibt liegen. Diese Navigation durch den Zoll übernimmt DHL für den Kunden, allerdings nur mit korrekten Daten.
Warenverkehr | Zollabfertigung | Nötige Dokumente |
Innerhalb der EU | keine | keine |
Ausfuhr bis 1.000 Euro Warenwert | vereinfacht | Zollinhaltserklärung, Rechnung |
Ausfuhr über 1.000 Euro Warenwert | Ausfuhranmeldung | zusätzlich Ausfuhrbegleitdokument |
Einfuhr aus Ländern außerhalb der EU | Import durch DHL | Rechnung, Zollinhaltserklärung |
Die Zollinhaltserklärung richtig ausfüllen
Die Zollinhaltserklärung ist das zentrale Dokument der Zollabwicklung. DHL nutzt zwei Formate: das kurze CN22 für Waren mit geringem Wert und das ausführlichere CN23 für Waren mit höherem Warenwert. Bei der Online-Frankierung wählt das System die passende Variante selbst. Der Inhalt der Erklärung entscheidet über die Dauer der Zollabfertigung.
Pflichtangaben in der Erklärung:
1. Genaue Warenbeschreibung je Position, etwa „Herrenhemd, Baumwolle" statt „Textilien".
2. Menge und Gewicht der Waren für jede Position einzeln.
3. Wert je Position in Euro, passend zur beigefügten Handelsrechnung.
4. Herkunftsland der Waren, erkennbar am Aufdruck „Made in".
5. Zolltarifnummer bei gewerblichen Warensendungen, bei privaten Geschenken freiwillig.
Tipp zu Warenbeschreibungen: Allgemeine Begriffe wie „Geschenk", „Muster" oder „Zubehör" führen regelmäßig zu Rückfragen der Zollbehörden. Eine präzise Beschreibung der Waren je Position verkürzt die Zollabfertigung deutlich. Handschriftliche Formulare erlauben nur sieben Positionen; über die Onlinefrankierung stehen beliebig viele Positionen zur Verfügung. |
HS-Code und EORI-Nummer: die beiden Kennungen
Der HS-Code ordnet Waren einer Warengruppe zu. Die ersten sechs Stellen gelten weltweit einheitlich, die EU ergänzt sie in der Ausfuhr auf acht und in der Einfuhr auf elf Stellen. Aus diesem Code leiten die Zollbehörden den Zollsatz für das Produkt ab. Ein falscher Code führt zu einer falschen Höhe der Zollabgaben und zu einer Korrektur im Nachgang. Ein Fehler an dieser Stelle kostet damit Zeit.
Die EORI-Nummer identifiziert Unternehmen in allen Zollverfahren der EU. Sie ersetzt die frühere deutsche Zollnummer und gilt in jedem Mitgliedstaat. Jeder Importeur und jeder gewerbliche Versender, der eine Zollanmeldung abgibt, benötigt sie. Privatpersonen brauchen diese Nummer nicht.
Die Beantragung läuft über das Zoll-Portal oder mit dem Formular 0870 bei der Generalzolldirektion in Dresden und ist kostenfrei. Kostenpflichtige Experten sind dafür nicht erforderlich, und der Zoll weist ausdrücklich darauf hin.
Zollgebühren bei DHL: Was kostet die Abwicklung?
Neben Zoll und Einfuhrumsatzsteuer berechnet DHL eigene Gebühren für die Zollabwicklung der Waren. Die Kosten unterscheiden sich zwischen DHL Paket und DHL Express.
Position | Betrag |
Servicepauschale DHL Paket bei verauslagten Abgaben | 6,00 Euro inkl. MwSt. |
Kapitalbereitstellungsprovision DHL Express | 2 % der Einfuhrabgaben, mindestens 15,00 Euro netto |
Verzollung Standard DHL Express | bis 5 Positionen frei, danach 5,00 Euro netto je Position |
Papierbasierte Zollabfertigung | 45,00 Euro netto je Sendung |
Rückwarenabfertigung | 40,00 Euro netto je Sendung |
Zollbedingte Lagerung ab dem 4. Tag | 11,00 Euro je Sendung und Tag plus 0,50 Euro je Kilo und Tag |
Die Servicepauschale von 6,00 Euro zieht DHL beim Empfänger ein, wenn eine Sendung aus einem Nicht-EU-Land Einfuhrabgaben auslöst. Der Empfänger zahlt sie bei der Zustellung in einer Summe mit den Abgaben. Bei DHL Express fällt je Sendung zusätzlich die Kapitalbereitstellungsprovision an, weil das Unternehmen die Abgaben für die Waren vorstreckt.
Wer die Abgaben selbst beim Zollamt anmeldet, vermeidet diese Positionen – der Weg ist allerdings mit Fachwissen und Aufwand verbunden und lohnt sich meist nur bei hohen Beträgen.
Vorbereitung: Checkliste vor dem Versand
Eine sorgfältige Vorbereitung verhindert Verzögerungen. Diese Punkte müssen vor jeder Sendung ins Ausland geprüft werden, damit die Dokumente vollständig zur Hand sind:
· Handelsrechnung in dreifacher Ausführung, zwei Kopien außen am Paket, eine bei den Waren im Inhalt.
· Angaben abgleichen: Werte in Handelsrechnung und Erklärung müssen übereinstimmen.
· HS-Code recherchieren über den Zolltarif, statt ihn zu schätzen; die Informationen stehen online bereit.
· Zollbestimmungen des Ziellandes prüfen, etwa Einfuhrverbote für Lebensmittel oder Kosmetik.
· EORI-Nummer eintragen, wenn der Versand gewerblich erfolgt.
· Verpackung sichern: Für flache Waren eignen sich Großbriefkartons, für kompakte Sendungen Maxibriefkartons.
Häufige Fehler: Ein zu niedrig angesetzter Warenwert gilt als Falschangabe und kann eine Strafe auslösen. Zugleich sinkt die Entschädigung bei Verlust der Waren, weil sich der Anspruch am deklarierten Warenwert bemisst. Solche Fehler lassen sich mit einer realistischen Angabe vermeiden. |
Zollabfertigungsprozess bei Import-Sendungen
Kommen Waren aus einem Nicht-EU-Land, läuft die Zollabwicklung meist ohne Zutun des Empfängers. DHL erstellt die Zollanmeldung anhand der Sendungsdaten des Absenders, streckt die Abgaben vor und zieht sie bei der Zustellung ein.
Rückfragen entstehen, wenn Daten fehlen oder unplausibel sind. In diesem Fall meldet sich DHL per E-Mail oder über einen Link zur Nachbearbeitung und bittet um Unterlagen: Handelsrechnung, Wertnachweis oder eine genauere Beschreibung der Waren. Antwortet der Kunde nicht, gehen die Waren nach einer Frist an den Absender zurück.
Für den Verkauf in Drittländern bietet DHL Express zusätzliche Zollverfahren an, etwa den Versand unter Zollverschluss oder die vorübergehende Verwendung. Diese Verfahren richten sich vor allem an Geschäftskunden mit regelmäßigem Warenverkehr.
Bedeutung der Zollbestimmungen im Zielland
Die Zollabwicklung endet nicht an der EU-Grenze. Der Zoll im Zielland kennt eigene Bestimmungen für Einfuhr und Kontrolle der Waren, und diese Bestimmungen entscheiden über Abgaben und Zulässigkeit einer Sendung. In manchen Ländern gelten für Textilien und Elektronik höhere Sätze, in anderen Ländern bestehen Vorschriften für Lebensmittel.
Praktische Bedeutung hat das für zwei Punkte: Erstens ist die Angabe des Herkunftslands wichtig, weil Handelsabkommen den Zollsatz senken können. Zweitens lohnt ein Blick in die Zollinformationen des Ziellandes, bevor die Waren das Lager verlassen. Diese Informationen stellen die Zollbehörden online bereit. Bei komplexen Fällen unterstützen Experten mit Fachwissen zum jeweiligen Land.
Häufige Fragen zur DHL Zollabwicklung
Wer zahlt die Einfuhrabgaben?
In der Regel der Empfänger im Zielland. Der Absender kann die Abgaben über bestimmte Verträge übernehmen; bei Privatsendungen ist das nicht vorgesehen.
Was passiert bei einer fehlenden Zollinhaltserklärung?
Die Sendung wird beim Zollamt zurückgehalten. DHL fordert die Zollinformationen zum Inhalt nach, und es können Lagergebühren entstehen.
Wie lange dauert die Zollabfertigung?
Bei vollständigen Unterlagen häufig ein bis zwei Werktage. Fehlen Angaben, verlängert sich die Zollabfertigung um Tage oder Wochen.
Kann ich die Zollanmeldung selbst übernehmen?
Das ist möglich, wenn Kunden die Waren mit allen Dokumenten beim zuständigen Zollamt selbst anmelden. Dieses Verfahren spart die Gebühren von DHL, verlangt aber Vorbereitung und Fachwissen zum Zolltarif.
DHL Zollabwicklung: die wichtigsten Punkte
Die Zollabwicklung bei DHL steht und fällt mit den Angaben des Absenders zur Sendung. Eine präzise Beschreibung der Waren, der passende HS-Code, ein realistischer Warenwert und eine beigefügte Rechnung erledigen bei jeder Sendung den größten Teil der Arbeit. Unternehmen brauchen zusätzlich eine EORI-Nummer, ab 1.000 Euro Warenwert kommt für die Waren die Ausfuhranmeldung hinzu. An Gebühren fallen bei DHL Paket 6,00 Euro Servicepauschale und bei DHL Express mindestens 15,00 Euro Kapitalbereitstellungsprovision an. Wer diese Informationen vor dem Versand zur Hand hat, bringt eine Sendung ohne Verzögerung durch den Zoll. Weitere Informationen zu Formaten und Laufzeiten stehen in den Versandinformationen, Begriffe rund um Zoll und Versand erklärt das Lexikon.